Sonntag, 29. Januar 2012
Ich weis, dass es sehr sehr lange her ist das ich den Block das letzte Mal aktualisiert habe und es ist extrem viel passiert. Jetzt möchte ich erst einmal meinen Zwischenbericht vom Dezember "nachreichen". Im Januar war ich 2 Wochen in Patagonien und hatte einen wunderschönen Urlaub und bei unserer Arbeit hat sich auch schon wieder einiges verändert.
Aber jetzt erst mal der Zwischenbericht:
Hallo Zusammen,
jetzt ist es schon soweit, die ersten Monate sind um und
bald ist Weihnachten. Kaum zu glauben, denn die Zeit vergeht wie im Flug. In
Weihnachstimmung bin ich noch nicht, obwohl schon fleißig Plätzchen gebacken werden.
Auch in meinem Projekt wird die Adventszeit für weihnachtliche
Bastelaktivitäten genutzt, wobei alle bei über 30°C vielmehr Lust auf den Pool
haben. Mir gefällt es hier in Argentinien und im Kinder- und Jugendprojekt
„Hogar German Frers“ sehr gut und ich fühle mich wohl, aber dazu mehr im
Einzelnen.
Flug, Ankunft und
Sprachkurs in Buenos Aires:
Am 10.08 um 23.00 Uhr war es soweit mein Flugzeug von
Frankfurt nach Buenos Aires ist gestartet und am 11.08 kamen wir um 7.00 Uhr
morgens ( - 5 h) in Buenos Aires an. Am
Flughafen wurden wir von Ricardo, einem Mitarbeiter der evangelischen Kirche in
Argentinien (IERP), welche hier vor Ort für uns Freiwillige und unsere Projekte
verantwortlich ist, abgeholt. Die ersten
2 Wochen verbrachten wir im ISEDET ( Evangelisch- theologische Fakultät in
Buenos Aires), wo auch unser Spanischsprachkurs stattfand.
Im Laufe der 2 Wochen Sprachkurs und Seminare (Murga,
argentinisches Schulsystem, lateinamerikanische Geschichte,…) haben wir einige
Stadtteile von Buenos Aires gesehen, um ein wenig mehr Gefühl für das Land zu
entwickeln. Palermo (das Künstler- und Ausgehviertel), der Hafen und das Regierungsviertel
(Montserrat) haben mir sehr gut gefallen. Wir haben auch den Präsidentenpalast
(Casa Rosada) besucht und eine Exkursion auf das ESMA- Gelände gemacht, dort wurden während der
Militärdiktatur über 30000 Menschen gefangen gehalten, verhört und gefoltert. Der
Großteil der Gefangen ist für immer verschwunden, unter anderem wurden sie beispielsweise
aus einem Flugzeug ins Meer geworfen. Insgesamt gingen die ersten 2 Wochen sehr
schnell um. Viel Spanisch habe ich waerend des Sprachkurses leider nicht
gelernt, aber dafür habe ich sehr viele Eindrücke von den Menschen und dem
Leben in Argentinien gewonnen.
Meine Umgebung:
Baradero ist die älteste Stadt in der Provinz Buenos
Aires. Es ist ein kleiner Ort, der vielmehr den Charakter eines Dorfes hat.
Jeder kennt jeden und man kann nicht ins Dorf gehen ohne auf ein bekanntes
Gesicht zu stoßen. Die Menschen im Dorf sind super freundlich und sehr
hilfsbereit.
Baradero liegt am Rio Baradero, welcher ein Seitenarm des
Rio Paraná ist. Im Dorf gibt einige sehr belebte Straßen und einige kleine
Parks. Am Rand der Stadt gibt es viele Felder und Wiesen und auch am Fluss ist
es sehr schön und grün. Von der Landschaft und der Natur hier bin ich wirklich
begeistert. Nicht umsonst kommen sehr viel Städter aus Buenos Aires in den
Ferien und am Wochenende in diese Gegend, sodass auch in letzter Zeit das
Hostel -zumindest übers Wochenende- voll ausgebucht ist. In der Nachtbarstadt
San Pedro kann man sogar Kite-Surfen, leider bin ich dazu noch nicht gekommen.
Wenn ich mal Sehnsucht nach der Stadt habe bin ich mit dem Bus in 2-3 h in
Buenos Aires- für argentinische Größenverhältnisse ein Katzensprung.
Mein Projekt:
Das Gelände meines Projekts ist sehr groß und
wunderschön. Es gibt einen kleinen Wald, einen großen Garten, ein Feld,
Orangen-, Zitronen-, Feigen-, Nuss- und Quinotobäume. Außerdem haben wir einige
Tiere, wie z.B. Schweine, Schafe, Kaninchen und Geflügel. Für die Kinder gibt
es einen Pool, einen Fußballplatz, ein Volleyballfeld und noch vieles mehr. Vor
allem das viele Grün gefällt mir sehr gut und der Pool ist natürlich ein Luxus,
den ich und die Kinder bei Temperaturen über 30°C (im Frühling) nicht missen
möchte, auch wenn es viel Arbeit macht, ihn täglich zu reinigen.
Mein Projekt ist das „Hogar German Frers“, welches 1909
als deutsches Knabenweißenhaus gegründet wurde. Vor wenigen Jahren musste das
Kinderheim aus finanziellen Gründen und auf Druck des Staates schließen und ist
jetzt die „Comunidad Hogar German Frers“.
Zurzeit kommen in das Projekt täglich 30 Kinder und
Jugendliche (im Alter von 7 bis 15 Jahren). Raum wäre für mehr und das Projekt
ist auch stetig am Wachsen. Die Kinder kommen aus sehr schwierigen
Verhältnissen. So sind Gewalt im Elternhaus, Drogenprobleme und auch sexueller
Missbrauch leider keine Seltenheit. Teilweise haben die Kinder keine Väter und die
Mütter sind selbst noch Kinder oder sie wohnen bei ihren älteren Geschwistern (insofern
diese nicht im Gefängnis sind). Die Meisten verbringen sehr viel Zeit auf der
Straße und haben somit nicht wirklich eine kindgerechte Umgebung. Ich kenne
nicht alle Geschichten der Kinder aber jede einzelne die ich bisher gehört habe
war schockierend.
Im „Centro de Dia“ bekommen die Kinder Essen und Bildung,
aber vor allem haben sie die Möglichkeit zusammen mit den anderen Kindern
zumindest den Tag in einem geborgenen Umfeld zu verbringen und aufzuwachsen.
Die Kinder werden von Lehrern oder Sozialarbeitern für das Projekt
vorgeschlagen. Unsere Sozialarbeiterin besucht daraufhin die Familie und
entscheidet ob die Kinder in das Projekt aufgenommen werden, dabei werden auch
die Erziehungsberechtigten und Kinder gefragt, ob sie Teil des Projekts sein
möchten. Sollten die Kinder in das „Centro de Dia“ kommen, werden die Familien
regelmäßig von unserer Sozialarbeiterin besucht und erhalten auch
psychologische Beratung.
Mein Tagesablauf und
meine Aufgaben:
Um 12.30 Uhr kommen die Kinder. Anschließend essen wir
mit den Kindern, die in der Schule kein Essen bekommen (zurzeit sind es 12).
Bei den Mahlzeiten gehört das Decken des Tisches, Austeilen des Essens und
Abspülen zu unseren Aufgaben. Bis 13.30 Uhr ist freie Zeit zum Spielen, dann gibt
es „Postre“ (Nachtisch), welches wir zusammen mit allen Kindern essen.
Danach beginnen entweder die Aktivitäten oder es werden
die Hausaufgaben gemacht und die Nachhilfe angeboten. Ich hätte nicht gedacht,
dass es funktioniert aber bei vielen Aufgaben konnte ich auch schon recht früh
mit meinen lückenhaften Spanischkenntnissen helfen (vor allem bei
Mathematikaufgaben). In den letzten Tagen haben die Kinder nur noch wenig für
die Schule zu tun, da sich das Schuljahr dem Ende hin neigt. Deshalb wir die
Zeit für Werkstätten genutzt. Einmal in der Woche kommt Diego, welcher mit den
Kindern Handarbeiten macht, wie z.B. Traumfänger basteln und Armbänder knüpfen.
Es gibt eine Werkstatt, in welcher gestrickt wird oder es werden kleine Schreinerarbeiten
angefertigt. Mario, einer der Erzieher, baut mit den Kindern ein Modell des
Hogars mit Häusern, Bäumen, Fußballplatz, Pool und allem was dazugehört.
Zweimal in der Woche kommt Alberto der Sportlehrer und macht mit den Kindern
Sportunterricht. Außerdem gibt es zweimal die Woche Tanzunterricht und
Gymnastik. Des Weiteren gehen wir zusammen mit den Kindern und Florencia einmal
in der Woche in den Garten. Die Kindergruppen haben eigene Beete, um welche sie
sich kümmern müssen und die mit Planzen bestückt werden, die sie selbst hochgezogen
haben. Ausserdem gibt es auch noch die Abuelas (die „Omas“), welche den Kindern
ab und zu Geschichten vorlesen.
Die Aktivitäten machen wir mit den Kindern zusammen,
helfen ihnen und den Instruktoren wo es nötig ist. Um 15.30 Uhr gibt es „ Merienda“,
die ich mit Helen vorbereite. Je nach
Wetter und Verfügbarkeit gibt es Tee mit Keksen oder Früchte wie Orangen,
Mandarinen, Blaubeeren oder Pfirsiche. Die freie Zeit wird zum Spielen oder
Musikhören genutzt. Die Kinder haben meist zu Hause keine Möglichkeit CDs anzuhören, da Elektroartikel
unwahrscheinlich teuer sind und einige der Kinder von einer Insel kommen, auf
der es weder fließend Wasser, noch Elektrizität gibt. Fast alle Kinder sind begeistert
von einer Gruppe, die sich „Los Wachiturros“ nennt und tanzen sehr gerne zu
dieser Musik. Insgesamt wird in Argentinien viel mehr getanzt als bei uns.
Nebenbei haben die Kinder auch die Möglichkeit ihre
Kleidung zum Waschen abzugeben und muessen sich regelmaesig im Projekt duschen.
Außerdem werden den Kindern auch die Haare geschnitten. Nichts desto trotzt
gibt es des Öfteren Läuse im Projekt- ich wurde bisher glücklicherweise
verschont.
An den Wochenenden gibt es ab und an Freizeiten mit den
Kindern des „ Centro de Dia“. Einige Male sind wir auch schon mit den Kindern
zusammen weggefahren, jedoch nicht immer mit allen. So war im Oktober ein
Frauenkongress in Bariloche, zu welchem wir mit einigen Mädchen und auch
Müttern gefahren sind. Andere Kinder durften mit auf Weihnachtsmärkte in Buenos
Aires, um dort das „CDD“ zu vertreten und ihre Handarbeiten zu Präsentieren und
zu Verkaufen. Mitte November sind wir mit fast allen Kindern (ein Paar wenige
mussten wir Zuhause lassen, da sie sich nicht benehmen wollten) nach Polverines
einem Vorort von Buenos Aires gefahren. Dort haben wir uns andere Projekte,
eine Schule und Parks angeschaut. Außerdem sind wir Zug gefahren, was für viele
der Kinder das erste Mal Zugfahrt war und auch für mich war es etwas Besonderes
mit offenen Türen bei über 100 km/h durch die Vororte Buenos Aires zu fahren.
In der Schule wurde ich gleich mehr oder weniger freiwillig eingespannt und
durfte in der Abschlussklasse etwas Deutschunterricht geben.
Wenn nicht gerade ein Camparmento stattfindet, gibt es
Veranstaltungen, wie Feste oder Märkte mit deren Erlös z.B. kleine
Weihnachtsgeschenke für die Kinder gekauft werden. Bei diesen Veranstaltungen
und ihren Vorbereitungen helfen wir auch viel mit. Langweilig kann einem hier
nicht werden, denn es gibt immer etwas zu tun. Manchmal ist es wirklich viel Arbeit,
aber es macht mir sehr viel Spaß und ich mache es gerne. Ich habe so viele
Ideen, was man hier noch machen könnte, leider wird mir die Zeit dazu nicht
reichen, sie rennt davon und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich schon
4 Monate hier bin.
Meine Freizeit:
Als wir mit den Mädchen auf dem Frauenkongress nach
Bariloche gefahren sind, konnte ich am Kongress selbst (logischerweise) nicht
teilnehmen. Die Abschlussfeier und den Protestmarsch habe ich mir aber
angeschaut, so war ich wohl bei den interessantesten Sachen dabei. In der
Zwischenzeit habe ich mir Bariloche und Umgebung angeschaut. Ich bin immer noch
begeistert von der Seen und Gebirgslandschaft um Bariloche.
Zweimal pro Woche gehen wir zu einem sehr netten schweizer
Ehepaar, das seit einigen Jahren in Baradero wohnt, zum Spanischunterricht. Die
übrige Zeit geht fürs Wäschewaschen, Kochen, Einkaufen und Wohnungsrenovieren
drauf. Wie gesagt bisher hatte ich noch keine Zeit für Langweile und die Zeit
vergeht wie im Flug (zu schnell weil es mir hier wirklich gut gefällt).
Ich hoffe ihr könnt nun ein bisschen besser
nachvollziehen, wie sich meine Zeit hier in Argentinien gestaltet. Ich möchte
mich nochmal für all Ihre / Eure Unterstützung und Hilfe bedanken ohne die all
das nicht möglich wäre. Vielen lieben Dank.
Viele Grüße
Tobias Hilbel
P.S.: Ich möchte nochmal auf meinen Blog verweisen:
tobias-in-argentinien.blogspot.com
Sobald ich wieder ein funktionierendes Netzteil für
meinen Laptop habe, werde ich ihn weiter führen und einige interessante
Erlebnisse beschreiben, für die in meinem Bericht leider kein Platz mehr war.
Freitag, 14. Oktober 2011
Fiesta de Primavera
Hola,
vor zwei Wochen war hier im Projekt ein großes Frühlingsfest zu dem über 300 Leute aus der ganzen Provinz kamen, darunter auch viele ehemalige Heimbewohner. Deshalb gab es vorher viel zu tun, alles wurde geputzt und auf Vordermann gebracht. Es wurden endlos viele Torten gebacken, Marmeladen gekocht, die Gläßer mit Etiketten versehen und mit den Kinder haben wir Stoffbezüge für die Deckel gebastelt. Es gab Marmelade aus: Feigen, Orangen, Mandarinen, Blaubeeren, Pfirsichen, Quinotos (das sind Früchte die wie Miniorangen aussehen aber man kann die sehr süße Schale mitessen, das Fruchtfleisch ist etwas sauer) Kürbis, Kiwi und ich glaub ich habe noch einige vergessen. Im Herbst und Winter wurden mit den Kindern Nüsse gesammelt die auch auf der Fiesta verkauft wurden.
Das Fest begann mit einem Gottesdienst, anschließen gab es Asado. Asado ist Grillen im riesen Format, ich werde noch ein Foto hochladen. Anschließend wurde viel geredet gesungen und getanzt. Es wurde ein Spanferkel versteigert und Helen und ich durften die Leute das Gewicht einer Torte schätzen lassen. Wer am nächsten am echten Gewicht lag gewann die Torte. Das war nicht ganz einfach weil mein Spanisch immer noch nicht so gut ist, aber die Leute haben verstanden worum es ging und zu meiner Überraschung haben auch viele Deutsch gesprochen. Die Fiesta war sehr schön auch wenn wir viel zu tun hatten.
Hallo Zusammen,
ich wollte mal wieder etwas von mir hören lassen. Hier ein wenig über mein Projekt und die Umgebung.
Das Gelände von meinem Projekt ist sehr groß und sehr schön. Es gibt einen kleinen Wald, einen großen Garten, einen Pool, ein neuangelegtes Feld das in Zukunft bestellt werden soll, Schweine, Schafe, Kaninchen, Geflügel, einen Fußballplatz, ein Volleyballfeld und noch vieles mehr. Vor allem das viele Grün gefällt mir sehr gut und zurzeit ist blüht und grünt es sehr. Die Pflanzen wachsen hier teilweise sehr schnell, man kann dem Rasen sozusagen wortwörtlich beim Wachsen zusehen. Die Blätter mancher Bäumen werden von einen auf den anderen Tag doppelt so groß.
Baradero ist eine kleine Stadt hat aber vielmehr den Charakter eines Dorfes. Unser Projekt liegt etwas außerhalb. Baradero liegt am Rio Baradero, welcher eine Seitenarm des Rio de la Plata ist. Die Umgebung von meinem Projekt ist auch sehr schön, im Dorf gibt einige sehr belebte Straßen und einige kleine Parks. In die andere Richtung hat es viele Felder und Wiesen und am Fluss ist es auch sehr sehr schön. Das einzige was mich stört ist das es hier Schlagen gibt und auch sehr giftige wobei hier noch keinen von den extrem Giftigen gesehen wurde. Letzte Woche haben wir eine überfahrene auf der Straße entdeckt eine lebende habe ich bisher noch nicht gesehen.
Ganz viele Grüße aus Baradero
Tobias
Hier ein Ineressanter Bericht, über das Schulsystem, von meiner Mitfreiwiligen Helen. mit der ich zusammen im Projekt arbeite:
http://helenweltwaerts.blogspot.com/2011/09/es-wird-von-tag-zu-tag-warmer-und-fur.html
"Seit einer Reform des Schulsystems 1995 werden die ersten neun Schuljahre als Educación General Básica ( EGB: 9 Jahre Schulpflicht) bezeichnet und die weiterführenden Schulen als Polimodal, welche in den verschiedensten Fachbereichen angeboten werden. Allerdings wurde diese Reform in den vergangenen Jahren in verschiedenen Regionen wieder überarbeitet.
Das Schuljahr ist in Trimester unterteilt und die Kinder haben im Juli 2 Wochen Winterferien und ab Januar bis März Sommerferien, da die Konzentration in der Hitze wahrscheinlich noch schlechter sein wird, als ohnehin schon. Die Kinder besuchen 6 Jahre lang die Primaria und weitere 6 bzw. 7 Jahre die Secundaria. Leider gibt es ein großes Qualitätsgefälle zwischen den staatlichen und den privaten Schulen, sowie den Schulen in ländlicher und urbaner Umgebung. Allerdings wird dieses Problem auch von der Regierung wahrgenommen und verschiedene Modelle zur Angleichung des Qualitätsstandards sind in Planung, was jedoch einen langwierigen Prozess bedeutet.
Am Ende des Schuljahres gibt es Prüfungen, welche über die Versetzung in die nächste Klassenstufe entscheiden. Um eine gute Schulbildung zu ermöglichen vergibt die Regierungen Prämien an Schulleiter staatlicher Schulen, welche eine möglichst geringe Durchfallquote an ihrer Schule nachweisen können. Eine logische Folge ist natürlich, dass jeder Rektor möglichst wenige "Sitzenbleiber" anstrebt. Und dies geschieht am schnellsten, indem möglichst viele Kinder, ungeachtet ihres tatsächlichen Wissensstandes, versetzt werden. Leider ist dies ein weit verbreites Problem hier in Argentinien und während der Nachhilfe und den Hausaufgaben wird mir immer wieder bewusst, welche Konsequenzen das hat. Die Kinder können teilweise nicht Lesen, Rechnen oder Schreiben. Die Hausaufgaben werden nicht verstanden, da die Fragestellung noch nicht einmal gelesen werden können.
Ich habe auch oft das Gefühl, dass die Arbeitsbücher und -hefte für die Schule nicht wirklich gut durchdacht sind. So hat ein Fünftklässler, der gerade einmal die Farben im Englischunterricht (welcher hier übrigens qualitätiv sehr schlecht ist) gerlent hat, Hausaufgaben mit komplexer Aufgabenstellung in englischer Sprache. Können die Eltern kein Englisch folgt ganz logisch Demotivation. Auch die Lehrer geben den Kindern teils völlig unangebrachte Aufgaben bzw. schreiben Aufgaben in einer Art Hieroglyphenschrift in die Hefte der Kinder, sodass diese gar keine Möglichkeit haben diese Hausaufgaben zu erledigen.
Auch interessant ist, dass die Kinder nicht jeden Tag zur Schule gehen und das kein Problem darstellt. Haben die Eltern keine Zeit ihre Kinder in die Schule zu bringen, ist es zu warm oder regnet es, sodass die Wege verschlammt sind, so bleiben die Kinder einfach zu Hause - das ist hier völlig normal.
Ihr seht also: wir haben im Nachhilfeunterricht (apoyo escolar) viel zu tun und es ist wichtig die Kinder immer wieder zu motivieren. Ich gebe mittlerweile auch manchmal schon Extraaufgaben, die zum Unterrichtsstoff passen. Letzte Woche kam sogar ein Junge zu mir und hat mich um extra Rechenaufgaben gebeten, worüber ich mich natürlich gefreut habe, da die Kinder eigentlich so schnell und liederlich wie möglich ihre Hausaufgaben hinter sich bringen wollen, vor allem wenn diese nicht verstanden werden. Es ist ein Trugschluss zu glauben die Kinder seien dumm. Oft fehlt einfach nur die Förderung und die Motivation durch die Lehrer und die Eltern.
Dies soll es erstmal zu dem Schulsystem und dem Apoyo Escolar gewesen sein. Wenn ihr fragen zu bestimmten Punkten habt oder euch etwas wichtiges fehlt, dann schreibt es einfach als Kommentar darunter.
Zum Schluss noch kurz was Statistisches:
Von den Argentiniern, welche über 20 Jahre alt sind, haben 88% die Schule besucht. Ungefähr 14% haben nicht einmal die Primaria abgeschlossen. Etwa 16% haben die Secundaria abgeschlossen, 5% einen höheren nicht- universitären Abschluss und 5% einen universitären Abschluss. Die Rate der Analphabeten ist ungefähr 5 mal so hoch wie in Deutschland und in den ländlichen Regionen am höchsten."
Quelle:
http://helenweltwaerts.blogspot.com/2011/09/es-wird-von-tag-zu-tag-warmer-und-fur.html
http://helenweltwaerts.blogspot.com/2011/09/es-wird-von-tag-zu-tag-warmer-und-fur.html
"Seit einer Reform des Schulsystems 1995 werden die ersten neun Schuljahre als Educación General Básica ( EGB: 9 Jahre Schulpflicht) bezeichnet und die weiterführenden Schulen als Polimodal, welche in den verschiedensten Fachbereichen angeboten werden. Allerdings wurde diese Reform in den vergangenen Jahren in verschiedenen Regionen wieder überarbeitet.
Das Schuljahr ist in Trimester unterteilt und die Kinder haben im Juli 2 Wochen Winterferien und ab Januar bis März Sommerferien, da die Konzentration in der Hitze wahrscheinlich noch schlechter sein wird, als ohnehin schon. Die Kinder besuchen 6 Jahre lang die Primaria und weitere 6 bzw. 7 Jahre die Secundaria. Leider gibt es ein großes Qualitätsgefälle zwischen den staatlichen und den privaten Schulen, sowie den Schulen in ländlicher und urbaner Umgebung. Allerdings wird dieses Problem auch von der Regierung wahrgenommen und verschiedene Modelle zur Angleichung des Qualitätsstandards sind in Planung, was jedoch einen langwierigen Prozess bedeutet.
Am Ende des Schuljahres gibt es Prüfungen, welche über die Versetzung in die nächste Klassenstufe entscheiden. Um eine gute Schulbildung zu ermöglichen vergibt die Regierungen Prämien an Schulleiter staatlicher Schulen, welche eine möglichst geringe Durchfallquote an ihrer Schule nachweisen können. Eine logische Folge ist natürlich, dass jeder Rektor möglichst wenige "Sitzenbleiber" anstrebt. Und dies geschieht am schnellsten, indem möglichst viele Kinder, ungeachtet ihres tatsächlichen Wissensstandes, versetzt werden. Leider ist dies ein weit verbreites Problem hier in Argentinien und während der Nachhilfe und den Hausaufgaben wird mir immer wieder bewusst, welche Konsequenzen das hat. Die Kinder können teilweise nicht Lesen, Rechnen oder Schreiben. Die Hausaufgaben werden nicht verstanden, da die Fragestellung noch nicht einmal gelesen werden können.
Ich habe auch oft das Gefühl, dass die Arbeitsbücher und -hefte für die Schule nicht wirklich gut durchdacht sind. So hat ein Fünftklässler, der gerade einmal die Farben im Englischunterricht (welcher hier übrigens qualitätiv sehr schlecht ist) gerlent hat, Hausaufgaben mit komplexer Aufgabenstellung in englischer Sprache. Können die Eltern kein Englisch folgt ganz logisch Demotivation. Auch die Lehrer geben den Kindern teils völlig unangebrachte Aufgaben bzw. schreiben Aufgaben in einer Art Hieroglyphenschrift in die Hefte der Kinder, sodass diese gar keine Möglichkeit haben diese Hausaufgaben zu erledigen.
Auch interessant ist, dass die Kinder nicht jeden Tag zur Schule gehen und das kein Problem darstellt. Haben die Eltern keine Zeit ihre Kinder in die Schule zu bringen, ist es zu warm oder regnet es, sodass die Wege verschlammt sind, so bleiben die Kinder einfach zu Hause - das ist hier völlig normal.
Ihr seht also: wir haben im Nachhilfeunterricht (apoyo escolar) viel zu tun und es ist wichtig die Kinder immer wieder zu motivieren. Ich gebe mittlerweile auch manchmal schon Extraaufgaben, die zum Unterrichtsstoff passen. Letzte Woche kam sogar ein Junge zu mir und hat mich um extra Rechenaufgaben gebeten, worüber ich mich natürlich gefreut habe, da die Kinder eigentlich so schnell und liederlich wie möglich ihre Hausaufgaben hinter sich bringen wollen, vor allem wenn diese nicht verstanden werden. Es ist ein Trugschluss zu glauben die Kinder seien dumm. Oft fehlt einfach nur die Förderung und die Motivation durch die Lehrer und die Eltern.
Dies soll es erstmal zu dem Schulsystem und dem Apoyo Escolar gewesen sein. Wenn ihr fragen zu bestimmten Punkten habt oder euch etwas wichtiges fehlt, dann schreibt es einfach als Kommentar darunter.
Zum Schluss noch kurz was Statistisches:
Von den Argentiniern, welche über 20 Jahre alt sind, haben 88% die Schule besucht. Ungefähr 14% haben nicht einmal die Primaria abgeschlossen. Etwa 16% haben die Secundaria abgeschlossen, 5% einen höheren nicht- universitären Abschluss und 5% einen universitären Abschluss. Die Rate der Analphabeten ist ungefähr 5 mal so hoch wie in Deutschland und in den ländlichen Regionen am höchsten."
Quelle:
http://helenweltwaerts.blogspot.com/2011/09/es-wird-von-tag-zu-tag-warmer-und-fur.html
Sonntag, 11. September 2011
Spendenaufruf:
Das Projekt Centro German Frers ist auf die Mitarbeit von Freiwilligen angewiesen, kann sich jedoch aufgrund seiner wirtschaftlichen Lage nur bedingt an der Finanzierung des Dienstes beteiligen. Leider stehen auch von staatlicher Seite nur wenige Mittel zur Verfügung. Einen Teil der anfallenden Kosten übernimmt die Landeskirche. Darüber hinaus ist es notwendig, dass ich einen Unterstützerkreis aufbaue, der insgesamt einen Betrag von 150 € monatlich in einen Fond einbezahlt.
Ich werde Sie dabei mit regelmäßigen Berichten über meine Arbeit und meinen Erfahrungen teilhaben lassen. Wenn Sie sich für eine einmalige oder montaliche Spende entscheiden, wäre es gut wenn sie mir ihre Adresse zukommen lassen, damit ihnen meine Berichte zugeschickt werden können. Ab einem Betrag von 200 € erhalten sie zum Jahresende eine Spendenquittung (bei Beträgen unter 200 € akzeptieren die Finanzämter auch die Vorlage eine Kontoauszuges). Auf Wunsch erhalten Sie auch bei Beträgen unter 200 € eine Spendenbescheinigung.
Im Voraus schon ganz herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.
Meine Einsatzstelle
Meine Einsatzstelle ist das Centro German Frers, ein Kindertageszentrum der deutschen evangelischen Gemeinde Argentiniens. In das Tageszentrum kommen zurzeit 27 Kinder aus sozial benachteiligten Familien, häufig aus Elternhäusern mit häuslicher Gewalt oder Alkoholismus der Eltern.
An das Tageszentrum ist ein Hostel angeschlossen, in welchem auch Wochenend- und Ferienfreizeiten angeboten werden.
Die Kinder werden nach der Schule mit einem Bus zum Tageszentrum gebracht. Im Centro bekommen die Kinder Essen, es wird mit ihnen gespielt und gelernt. Sie bekommen eine Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe. Das ist auch ein Großteil meiner Aufgaben, mit den Kindern zu spielen und zu lernen. Ein anderer Teil meines Aufgabengebietes ist die Pflege des Geländes und der Gebäude sowie ein paar Büroarbeiten.
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