Donnerstag, 24. Mai 2012

2. Bericht



Leider etwas verspätet, aber hier ist er:


Hallo zusammen,

jetzt ist es schon wieder soweit: Hier ist mein zweiter Zwischenbericht. Die Zeit vergeht weiterhin  wie im Flug und ich kann gar nicht glauben, dass schon 8 Monate seit meiner Ankunft vergangen sind.

Seit meinem letzten Bericht hat sich einiges verändert; deshalb habe ich mich dazu entschlossen, noch einmal über mein Projekt, meine Arbeit und meinen Urlaub zu schreiben.

Ich fange mal im Dezember an. Für die Adventszeit hatten Helen und ich einen Adventskalender für die Kinder vorbereitet. Ein Adventskalender ist in Argentinien nicht üblich, unserer enthielt Aktivitäten, die wir für die Kinder vorbereitet hatten wie z.B. Wasserspiele und Wasserbombenschlacht, eine Schnitzeljagd, aber natürlich auch Süßes und andere Kleinigkeiten. Zusammen mit ein paar argentinischen Freiwilligen aus Buenos Aires haben wir Plätzchen und Lebkuchen gebacken, argentinische Weihnachtslieder gesungen und den Kindern die Weihnachtsgeschichte erzählt.

Am 17. Dezember haben die Schulferien begonnen und zum Jahresabschluss haben wir einen Zirkus mit den Kindern veranstaltet. Ich habe mit zwei Kindern eine kleine Zaubershow aufgeführt, was nicht ganz einfach war, weil hier doch alles sehr spontan ist. Und so kam es, obwohl der Zirkus schon seit Monaten geplant war und ich immer wieder gefragt habe, wann ich denn mit den Kindern die Tricks einstudieren kann, letztendlich am Tag vor der Zirkusaufführung nochmal der ganze Plan und die Besetzung der Kinder umgeschmissen wurde und mir nur der Morgen vor der Aufführung zum Üben mit den Kindern blieb. Zum Glück hatte mich unser Spanischlehrer schon gewarnt und hatte einfache Tricks vorbereitet, sodass die Aufführung trotzdem ein voller Erfolg wurde. Am 22.12. haben wir mit Kindern und Familien Weihnachten gefeiert mit Krippenspiel, Bescherung und alles was dazu gehört.

Am gleichen Abend bin ich dann auch schon in den Urlaub gefahren. Weihnachten habe ich in Uruguay am Strand in einem Ferienhaus mit drei anderen Freiwilligen verbracht. Wir haben einen Surf-Kurs gemacht und ich habe die beeindruckende Atlantikküste genossen. Die Wellen kamen unglaublich nahe an den Strand her rann. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen.  Am Weihnachtsabend haben wir dann, wie sollte auch anders sein, Asado gemacht. Weihnachten wird in Argentinien etwas anders gefeiert als bei uns. Die Vorweihnachtszeit gibt es eigentlich kaum und in der Nacht vom 24. auf dem 25. werden Raketen in die Luft geschossen. Das Weihnachtsfest ähnelt eher unserem Silvester mit Geschenken. Am 27. bin ich wieder zurück nach Baradero und habe noch zwei Tage gearbeitet. Silvester habe ich zusammen mit anderen Freiwilligen in Buenos Aires im neunten Stock gefeiert (top Aussicht). Am ersten Januar ging dann auch direkt zum internationalen Flughafen und von dort nach Feuerland, ans Ende der Welt. Genauer nach Ushuaia der südlichsten Stadt der Erde. In Ushuaia bin ich viel gewandert, habe mir ein Mountainbike gemietet und besuchte eine Pinguininsel. Anschließend ging es weiter nach El Calafate wo ich den Perito Moreno besuchte. Der Perito Moreno ist wohl einer der imposantesten Gletscher überhaupt. Er ist einer der wenigen noch wachsenden Gletscher mit einer Fläche von ca. 250 km2. Die Gletscherwand mündet im Lago Argentino, wobei täglich hochhaushohe Felsbrocken ins Wasser stürzen – wirklich beeindruckend. Danach fuhr ich nach El Chalten ein kleines Dorf das als Ausgangspunkt für Wanderer und Bergsteiger dient, welche die argentinische Seite der südlichen Anden erkunden wollen. Ich wanderte mit Helen die ich schon in Ushuaia getroffen habe und Inge (ein Physiotherapeutin auf Weltreise) zu einem Zeltplatz im Nationalpark. Wir kamen abends an und bauten unser Zelt auf; am gleichen Abend ging es nochmal zu einer Laguna samt Gletscher und am nächsten Morgen zur „Laguna de los Tres“ mit Blick auf den Fitz Roy. Die Bilder dürften für sich selbst sprechen. Wir zelteten noch eine Nacht in El Chalten um an nächsten Morgen zur „Laguna Torre“ und zum Aussichtspunkt des „Cerro Torre“ zu Wandern. Ich wäre noch gerne länger dort geblieben musste aber zurück nach El Chalten um zurück nach Buenos Aires zu fliegen. Ich hatte wirklich zwei unglaublich schöne Wochen und habe wirklich unvorstellbar beeindruckende Landschaften gesehen, vor allem die Gletscher haben mich begeistert.

Das Centro de Dia (CDD) war in den ersten 3 Januarwochen geschlossen und wir nutzten die letzte Woche um das CDD zu putzen, die Räume neu zu gestalten, um Kleinigkeiten, die das Jahr über anfallen, wieder in Ordnung zu bringen und um zu besprechen wie es im neuen Jahr weiter gehen soll. Im Januar hat sich dann richtig viel verändert. Leider möchte die Gemeinde Baradero den Bus nicht mehr bezahlen und die Kirche kann diese Kosten auch nicht übernehmen. Das hat zur Folge, dass einige Kinder nicht mehr kommen können weil sie zu weit weg wohnen. Drei haben sogar deswegen die Schule gewechselt, in der neuen Schule bekommen sie zwar Essen (was sie vorher bei uns bekommen haben) dafür haben sie aber einen Schulweg von zwei Stunden mit dem Boot und der Unterricht soll schlechter sein. Andere Kinder können nicht mehr kommen, weil sie in die Nachmittagsschicht der Schule versetzt wurden. In Argentinien haben die Schüler in der Regel 4 Stunden Schule, entweder am Vormittag, Nachmittag oder am Abend. Ich finde es sehr schade, dass die Kinder nicht mehr kommen können. Allein in dem halben Jahr, in dem ich hier war, habe ich schon sehr große Veränderungen bei ihnen gesehen, vor allem wie sie miteinander, untereinander aber auch uns gegenüber umgehen. Viele sind hier richtig aufgeblüht. Zum Beispiel hat Gonzalo fast nicht gesprochen (er ist kurz vor mir ins Projekt gekommen) und zuletzt wollte er gar nicht mehr aufgehören zu Quasseln. Wenn die Lehrer streiken, es einen Schulfeiertag gibt oder aus sonnst irgendeinem Grund die Schule ausfällt (was hier sehr, sehr häufig vorkommt) dürfen die Kinder aber weiterhin ins Projekt kommen.

Die Schulferien gingen bis März; während dieser Zeit kamen die Kinder eine Stunde früher um 11 Uhr. Mittagessen gab es wie gewohnt um 13 Uhr, wobei jetzt alle Kinder gemeinsam zu Mittag essen und auch selbst den Tisch decken, abräumen und beim Abtrocken helfen müssen. Diese Änderung habe ich begrüßt, nicht nur weil das weniger Spülarbeit für uns bedeutet, sondern vor allem weil die Kinder dadurch das Essen und die Arbeit, die dahinter steckt, besser wertzuschätzen lernen. Auch die Jungs müssen helfen und lernen Abzuspülen (was hier nicht unbedingt üblich ist).

Leider ist eine Arbeitskollegin wieder nach Mar del Plata (ihre Heimatstadt) zurückgezogen. Während der Ferien gab es keine Gruppen. Jetzt gibt es zwei Gruppen mit 15 Kindern. Eine machen Helen und Mario, die Andere Andrea und ich. Das heißt natürlich mehr Arbeit für uns, aber vor allem bei der Nachhilfe und den Hausaufgaben gibt es viel zu tun. Eigentlich müsste man mit vielen der Kindern nochmal bei den Zahlen und Buchstaben anfangen, die Bildung ist wirklich sehr schlecht und die meisten Hausaufgaben für die Kinder unlösbar. Ich mache viele Englischaufgaben mit den Kindern, da Helen und ich die Einzigen sind die Englisch können. Häufig kommt es mir auch so vor, dass die Englischlehrer die Sprache nicht wirklich können. Auf meinem Block www.tobias-in-argentinien.blogspot.com gibt es noch einen Bericht von meiner Mitfreiwilligen Helen zum Schulsystem und ich möchte demnächst auch noch einen Bericht schreiben, wo ich näher auf meine Erfahrungen zur Schule in Argentinien eingehe.

Seit Januar mache ich täglich mit ein paar Kindern Schwimmunterricht. Das Schwimmverhalten von den Kindern hier ist komplett unterschiedlich zu den Kindern, wie ich sie aus Deutschland kenne. Die Kinder hier haben keine Angst vorm Wasser, dafür haben sie umso mehr Probleme mit der Technik und der Koordination. Einmal die Woche biete ich eine Technik AG an. Zurzeit baue ich mit den Kindern einen „Heißen Draht“, ein Spiel, bei dem man mit einer Öse einen Draht nachfahren muss, ohne diesen zu berühren. Wird der Draht doch berührt, klingelt eine Klingel. Geplant habe ich noch einen Gipsabdruck von Ammoniten, die ich beim Poolputzen entdeckt habe, zu machen, einen Vulkan zu basteln und noch einiges mehr.

Im März haben wir an einem Wochenende und ein paar Vormittagen und Abenden Dietrich (einem Erlebnispädagogen aus Deutschland) geholfen, einen Niederseilgarten zu bauen, einen Parcour zum Balancieren und Klettern mit einer Wackelbrücke, Baumstammwippe, Tarnzansprung und einigem mehr. Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden und die Kinder finden es auch „repiola“ (supercool).



In meiner Freizeit werkle ich noch viel an unserem Haus herum; letztlich habe ich in meinem Zimmer die Steckdosen erneuert, weil nun auch die letzte nicht mehr funktionierte. Die Installationen in Argentinien sind sehr abenteuerlich, so gibt es zum Beispiel keine Schutzleiter. Jetzt werden zwar nur noch Steckdosen verkauft, die einen Schutzleiteranschluss haben, das ändert aber trotzdem nichts daran, dass auch bei den meisten Neubauten keine Erdung und auch keinen Blitzableiter gibt. Außerdem passen viele alte und auch die häufig aus dem Ausland importierten Geräte nicht mehr in die Steckdosen, weshalb entweder mit haufenweisen Adaptern gearbeitet wird oder üblicher, die Steckdosen aufgebohrt werden.

Nach wie vor gehe ich noch zweimal die Woche zu einem Schweizer Ehepaar, um Sprachunterricht zu machen. Als Tausch helfen wir ihnen bei Arbeiten wie z.B. Hausstreichen, einen kleinen Platz betonieren, Bäume pflanzen oder Gräben graben. Häufig sind wir auch am Wochenende zu sehr leckeren Mittagessen eingeladen. Diesen Monat möchte ich mit Kanufahren anfangen, dazu muss ich zwar meinen Arbeitsplan ändern, das ist aber schon mit meiner Chefin abgeklärt. Im Januar und Februar hatten wir in Baradero sehr viel Festivals mit typischer argentinischer Musik nächstes Wochenende ist ein großes Gaucho-Festival, und wenn in Baradero mal nichts los sein sollte (was im Sommer selten vorkommt) gibt es in der Umgebung immer jemanden zu besuchen und was zu erleben. Langweilig wurde es mir hier noch keine Sekunde.









Mehr Bilder sind online, den Link schicke ich gerne per e-mail.