Leider etwas verspätet, aber hier ist er:
Hallo zusammen,
jetzt ist es schon wieder soweit: Hier ist mein zweiter
Zwischenbericht. Die Zeit vergeht weiterhin wie im Flug und ich kann gar nicht glauben, dass
schon 8 Monate seit meiner Ankunft vergangen sind.
Seit meinem letzten Bericht hat sich einiges verändert;
deshalb habe ich mich dazu entschlossen, noch einmal über mein Projekt, meine Arbeit
und meinen Urlaub zu schreiben.
Ich fange mal im
Dezember an. Für die Adventszeit hatten Helen und ich einen Adventskalender für
die Kinder vorbereitet. Ein Adventskalender ist in Argentinien nicht üblich,
unserer enthielt Aktivitäten, die wir für die Kinder vorbereitet hatten wie z.B.
Wasserspiele und Wasserbombenschlacht, eine Schnitzeljagd, aber natürlich auch
Süßes und andere Kleinigkeiten. Zusammen mit ein paar argentinischen
Freiwilligen aus Buenos Aires haben wir Plätzchen und Lebkuchen gebacken,
argentinische Weihnachtslieder gesungen und den Kindern die
Weihnachtsgeschichte erzählt.
Am 17. Dezember haben
die Schulferien begonnen und zum Jahresabschluss haben wir einen Zirkus mit den
Kindern veranstaltet. Ich habe mit zwei Kindern eine kleine Zaubershow
aufgeführt, was nicht ganz einfach war, weil hier doch alles sehr spontan ist.
Und so kam es, obwohl der Zirkus schon seit Monaten geplant war und ich immer
wieder gefragt habe, wann ich denn mit den Kindern die Tricks einstudieren kann,
letztendlich am Tag vor der Zirkusaufführung nochmal der ganze Plan und die
Besetzung der Kinder umgeschmissen wurde und mir nur der Morgen vor der
Aufführung zum Üben mit den Kindern blieb. Zum Glück hatte mich unser
Spanischlehrer schon gewarnt und hatte einfache Tricks vorbereitet, sodass die
Aufführung trotzdem ein voller Erfolg wurde. Am 22.12. haben wir mit Kindern
und Familien Weihnachten gefeiert mit Krippenspiel, Bescherung und alles was
dazu gehört.
Am gleichen Abend bin ich dann auch schon in den Urlaub
gefahren. Weihnachten habe ich in Uruguay am Strand in einem Ferienhaus mit
drei anderen Freiwilligen verbracht. Wir haben einen Surf-Kurs gemacht und ich
habe die beeindruckende Atlantikküste genossen. Die Wellen kamen unglaublich
nahe an den Strand her rann. So etwas habe ich zuvor noch nie gesehen. Am Weihnachtsabend haben wir dann, wie sollte
auch anders sein, Asado gemacht. Weihnachten wird in Argentinien etwas anders
gefeiert als bei uns. Die Vorweihnachtszeit gibt es eigentlich kaum und in der
Nacht vom 24. auf dem 25. werden Raketen in die Luft geschossen. Das
Weihnachtsfest ähnelt eher unserem Silvester mit Geschenken. Am 27. bin ich
wieder zurück nach Baradero und habe noch zwei Tage gearbeitet. Silvester habe
ich zusammen mit anderen Freiwilligen in Buenos Aires im neunten Stock gefeiert
(top Aussicht). Am ersten Januar ging dann auch direkt zum internationalen
Flughafen und von dort nach Feuerland, ans Ende der Welt. Genauer nach Ushuaia
der südlichsten Stadt der Erde. In Ushuaia bin ich viel gewandert, habe mir ein
Mountainbike gemietet und besuchte eine Pinguininsel. Anschließend ging es
weiter nach El Calafate wo ich den Perito Moreno besuchte. Der Perito Moreno
ist wohl einer der imposantesten Gletscher überhaupt. Er ist einer der wenigen
noch wachsenden Gletscher mit einer Fläche von ca. 250 km2. Die
Gletscherwand mündet im Lago Argentino, wobei täglich hochhaushohe Felsbrocken
ins Wasser stürzen – wirklich beeindruckend. Danach fuhr ich nach El Chalten
ein kleines Dorf das als Ausgangspunkt für Wanderer und Bergsteiger dient,
welche die argentinische Seite der südlichen Anden erkunden wollen. Ich wanderte
mit Helen die ich schon in Ushuaia getroffen habe und Inge (ein
Physiotherapeutin auf Weltreise) zu einem Zeltplatz im Nationalpark. Wir kamen abends
an und bauten unser Zelt auf; am gleichen Abend ging es nochmal zu einer Laguna
samt Gletscher und am nächsten Morgen zur „Laguna de los Tres“ mit Blick auf
den Fitz Roy. Die Bilder dürften für sich selbst sprechen. Wir zelteten noch
eine Nacht in El Chalten um an nächsten Morgen zur „Laguna Torre“ und zum
Aussichtspunkt des „Cerro Torre“ zu Wandern. Ich wäre noch gerne länger dort
geblieben musste aber zurück nach El Chalten um zurück nach Buenos Aires zu
fliegen. Ich hatte wirklich zwei unglaublich schöne Wochen und habe wirklich
unvorstellbar beeindruckende Landschaften gesehen, vor allem die Gletscher
haben mich
begeistert.
Das Centro de Dia (CDD)
war in den ersten 3 Januarwochen geschlossen und wir nutzten die letzte Woche
um das CDD zu putzen, die Räume neu zu gestalten, um Kleinigkeiten, die das
Jahr über anfallen, wieder in Ordnung zu bringen und um zu besprechen wie es im
neuen Jahr weiter gehen soll. Im Januar hat sich dann richtig viel verändert.
Leider möchte die Gemeinde Baradero den Bus nicht mehr bezahlen und die Kirche
kann diese Kosten auch nicht übernehmen. Das hat zur Folge, dass einige Kinder
nicht mehr kommen können weil sie zu weit weg wohnen. Drei haben sogar deswegen
die Schule gewechselt, in der neuen Schule bekommen sie zwar Essen (was sie
vorher bei uns bekommen haben) dafür haben sie aber einen Schulweg von zwei
Stunden mit dem Boot und der Unterricht soll schlechter sein. Andere Kinder
können nicht mehr kommen, weil sie in die Nachmittagsschicht der Schule
versetzt wurden. In Argentinien haben die Schüler in der Regel 4 Stunden
Schule, entweder am Vormittag, Nachmittag oder am Abend. Ich finde es sehr schade,
dass die Kinder nicht mehr kommen können. Allein in dem halben Jahr, in dem ich
hier war, habe ich schon sehr große Veränderungen bei ihnen
gesehen, vor allem
wie sie miteinander, untereinander aber auch uns gegenüber umgehen. Viele sind
hier richtig aufgeblüht. Zum Beispiel hat Gonzalo fast nicht gesprochen (er ist
kurz vor mir ins Projekt gekommen) und zuletzt wollte er gar nicht mehr
aufgehören zu Quasseln. Wenn die Lehrer streiken, es einen Schulfeiertag gibt
oder aus sonnst irgendeinem Grund die Schule ausfällt (was hier sehr, sehr häufig
vorkommt) dürfen die Kinder aber weiterhin ins Projekt kommen.
Die Schulferien gingen
bis März; während dieser Zeit kamen die Kinder eine Stunde früher um 11 Uhr.
Mittagessen gab es wie gewohnt um 13 Uhr, wobei jetzt alle Kinder gemeinsam zu
Mittag essen und auch selbst den Tisch decken, abräumen und beim Abtrocken
helfen müssen. Diese Änderung habe ich begrüßt, nicht nur weil das weniger
Spülarbeit für uns bedeutet, sondern vor allem weil die Kinder dadurch das
Essen und die Arbeit, die dahinter steckt, besser wertzuschätzen lernen. Auch
die Jungs müssen helfen und lernen Abzuspülen (was hier nicht unbedingt üblich
ist).
Leider ist eine
Arbeitskollegin wieder nach Mar del Plata (ihre Heimatstadt) zurückgezogen.
Während der Ferien gab es keine Gruppen. Jetzt gibt es zwei Gruppen mit 15 Kindern.
Eine machen Helen und Mario, die Andere Andrea und ich. Das heißt natürlich
mehr Arbeit für uns, aber vor allem bei der Nachhilfe und den Hausaufgaben gibt
es viel zu tun. Eigentlich müsste man mit vielen der Kindern nochmal bei den
Zahlen und Buchstaben anfangen, die Bildung ist wirklich sehr schlecht und die
meisten Hausaufgaben für die Kinder unlösbar. Ich mache viele Englischaufgaben
mit den Kindern, da Helen und ich die Einzigen sind die Englisch können. Häufig
kommt es mir auch so vor, dass die Englischlehrer die Sprache nicht wirklich
können. Auf meinem Block www.tobias-in-argentinien.blogspot.com
gibt es noch einen Bericht von meiner Mitfreiwilligen Helen zum Schulsystem und
ich möchte demnächst auch noch einen Bericht schreiben, wo ich näher auf meine
Erfahrungen zur Schule in Argentinien eingehe.
Seit Januar mache ich täglich mit ein paar Kindern
Schwimmunterricht. Das Schwimmverhalten von den Kindern hier ist komplett
unterschiedlich zu den Kindern, wie ich sie aus Deutschland kenne. Die Kinder
hier haben keine Angst vorm Wasser, dafür haben sie umso mehr Probleme mit der
Technik und der Koordination. Einmal die Woche biete ich eine Technik AG an. Zurzeit
baue ich mit den Kindern einen „Heißen Draht“, ein Spiel, bei dem man mit einer
Öse einen Draht nachfahren muss, ohne diesen zu berühren. Wird der Draht doch
berührt, klingelt eine Klingel. Geplant habe ich noch einen Gipsabdruck von
Ammoniten, die ich beim Poolputzen entdeckt habe, zu machen, einen Vulkan zu
basteln und noch einiges mehr.
Im März haben wir an
einem Wochenende und ein paar Vormittagen und Abenden Dietrich (einem Erlebnispädagogen
aus Deutschland) geholfen, einen Niederseilgarten zu bauen, einen Parcour zum
Balancieren und Klettern mit einer Wackelbrücke, Baumstammwippe, Tarnzansprung
und einigem mehr. Ich bin mit dem Ergebnis super zufrieden und die Kinder
finden es auch „repiola“ (supercool).
In meiner Freizeit werkle ich noch viel an unserem Haus
herum; letztlich habe ich in meinem Zimmer die Steckdosen erneuert, weil nun
auch die letzte nicht mehr funktionierte. Die Installationen in Argentinien
sind sehr abenteuerlich, so gibt es zum Beispiel keine Schutzleiter. Jetzt
werden zwar nur noch Steckdosen verkauft, die einen Schutzleiteranschluss
haben, das ändert aber trotzdem nichts daran, dass auch bei den meisten
Neubauten keine Erdung und auch keinen Blitzableiter gibt. Außerdem passen
viele alte und auch die häufig aus dem Ausland importierten Geräte nicht mehr
in die Steckdosen, weshalb entweder mit haufenweisen Adaptern gearbeitet wird
oder üblicher, die Steckdosen aufgebohrt werden.
Nach wie vor gehe ich
noch zweimal die Woche zu einem Schweizer Ehepaar, um Sprachunterricht zu
machen. Als Tausch helfen wir ihnen bei Arbeiten wie z.B. Hausstreichen, einen
kleinen Platz betonieren, Bäume pflanzen oder Gräben graben. Häufig sind wir
auch am Wochenende zu sehr leckeren Mittagessen eingeladen. Diesen Monat möchte
ich mit Kanufahren anfangen, dazu muss ich zwar meinen Arbeitsplan ändern, das
ist aber schon mit meiner Chefin abgeklärt. Im Januar und Februar hatten wir in
Baradero sehr viel Festivals mit typischer argentinischer Musik nächstes
Wochenende ist ein großes Gaucho-Festival, und wenn in Baradero mal nichts los
sein sollte (was im Sommer selten vorkommt) gibt es in der Umgebung immer
jemanden zu besuchen und was zu erleben. Langweilig wurde es mir hier noch
keine Sekunde.
Mehr Bilder sind online, den Link schicke ich gerne per e-mail.